Dramatischer hätte die Entscheidung um den Rallye-WM-Titel kaum ausfallen können: Erst in den letzten Kurven der Saison fiel die Entscheidung zugunsten von Elfyn Evans.
Während Oliver Solberg bereits wie der neue Weltmeister aussah, sorgte ein Ausrutscher des Schweden auf der letzten Wertungsprüfung für die entscheidende Wende. Evans und sein Co-Pilot Scott Martin sind damit erstmals Rallye-Weltmeister.
Drei Toyota-Piloten waren mit Titelchancen zum Saisonfinale auf Sardinien gereist. Evans hatte dabei die beste Ausgangslage. Mit 230 Punkten führte der Waliser die Gesamtwertung an, 17 Zähler vor Sami Pajari und 21 vor Oliver Solberg. Für alle drei ging es um den ersten WRC-Titel ihrer Karriere. Im Verlauf des Wochenendes entwickelte sich vor allem Solberg zum großen Herausforderer seines Toyota-Teamkollegen. Der Schwede übernahm am Samstag die Führung der Rallye und ging mit einem Vorsprung von 33,6 Sekunden in den entscheidenden Sonntag.
Für Evans verschärfte sich die Situation auf der vorletzten Wertungsprüfung Osilo – Tergu. Ein Reifenschaden vorne rechts zwang den Waliser zum Anhalten und Radwechsel. Dadurch verlor er wichtige Punkte in der Super-Sunday-Wertung. Die Entscheidung um die Weltmeisterschaft reduzierte sich damit endgültig auf das direkte Duell zwischen Evans und Solberg. Vor der letzten Wertungsprüfung der Saison, der 7,10 Kilometer langen Wolf Powerstage Sassari – Argentiera, war die Ausgangslage klar: Das bessere Ergebnis auf der Powerstage würde zwischen den beiden über den WM-Titel entscheiden.
Evans ging als Erster auf die Strecke, war mit seiner eigenen Fahrt im Ziel jedoch nicht zufrieden. Danach startete Solberg seinen Angriff – und zunächst schien der Schwede dem Titel entgegenzufahren. Gut einen Kilometer vor dem Ziel lag Solberg im direkten Vergleich 1,9 Sekunden vor Evans‘ Zwischenzeit. Zu diesem Zeitpunkt war er Weltmeister. Doch dann änderte sich das Geschehen in wenigen Sekunden. In einer schnellen Passage kam Solberg von der Strecke ab und verlor wertvolle Zeit. Zwar gelang es ihm, seinen Toyota wieder auf die Strecke zu bringen und die Prüfung zu beenden, doch die verlorenen Sekunden hatten fatale Folgen für den Titelkampf. Während der Rallyesieg für Solberg nicht mehr in Gefahr war, kostete ihn der Ausrutscher die entscheidenden Zusatzpunkte auf der Powerstage.
Evans verfolgte die Fahrt seines Konkurrenten am Bildschirm und konnte zunächst selbst kaum glauben, dass sich der Titelkampf noch einmal gedreht hatte. Wenige Kurven zuvor schien Solberg den WM-Titel bereits sicher zu haben, nun war Evans plötzlich Rallye-Weltmeister.
Oliver Solberg und sein Co-Pilot Elliott Edmondson gewannen die Rally Italia Sardegna dennoch souverän. Mit 57,6 Sekunden Vorsprung auf Sébastien Ogier und Vincent Landais feierte der Schwede den Rallyesieg. Sami Pajari und Marko Salminen komplettierten als Dritte das reine Toyota-Podium. Evans belegte lediglich Rang fünf – doch das Ergebnis spielte für ihn angesichts des WM-Titels nur noch eine Nebenrolle.
Für den Waliser erfüllte sich auf Sardinien ein Traum, auf den er lange warten musste. Nach fünf Vizeweltmeisterschaften in den Jahren 2020, 2021, 2023, 2024 und 2025 krönte sich Elfyn Evans erstmals zum Rallye-Weltmeister. Gleichzeitig schrieb er Geschichte: Evans ist der erste britische WRC-Champion seit Richard Burns im Jahr 2001. Und die Art und Weise, wie er den Titel gewann, dürfte diese Weltmeisterschaft besonders unvergessen machen. Die Entscheidung fiel tatsächlich erst in den letzten Kurven der gesamten Saison.
wrc.com






