Vom Meru zum Usambara

Im Osten Tansanias entfaltet sich eine Landschaft zwischen Vulkanen, Savannen und letzten Regenwaldresten. Eine Reise rund um den Kilimandscharo führt zu neuen Schutzgebieten, stillen Lodges und seltenen Arten.

Am Fuß des mächtigen Mount Meru, rund eine Autostunde vom Kilimanjaro Airport entfernt, liegt die African View Lodge inmitten eines parkähnlichen Gartens. Alte Bäume, tropische Pflanzen und ein weiter Blick in die Landschaft prägen das Bild, Chamäleons, Nektarvögel und Insekten gehören zur täglichen Kulisse. Die Lodge wurde 2016 eröffnet und wird von Debbie Bachmann geführt, die gemeinsam mit ihrem Mann Horst auch das Safari-Unternehmen Wilkinson Tours betreibt. Als erfahrene Bergführerin stand sie bereits 51 Mal am Gipfel des Kilimandscharo.

Der nahegelegene Arusha-Nationalpark bietet einen ersten Einblick in die Vielfalt Nordtansanias. Paviane, Colobus-Stummelaffen und Meerkatzen bewegen sich zwischen offenen Ebenen und Waldstücken, am Kleinen Momella-See sammeln sich Flamingos. Neben klassischen Pirschfahrten sind hier auch geführte Safaris zu Fuß möglich, begleitet von Rangern, die sicher durch das Revier von Giraffen, Büffeln und Warzenschweinen führen. Die Gegend erlangte bereits in den 1960er Jahren Bekanntheit als Drehort des Films Hatari, dessen Geschichte bis heute mit der heutigen Hatari Lodge verbunden ist.

Die Route führt weiter ostwärts in den Mkomazi-Nationalpark, ein vergleichsweise junges Schutzgebiet, das 2006 offiziell eröffnet wurde und Teil des weitläufigen Tsavo-Ökosystems ist. Die trockene Savannenlandschaft wirkt auf den ersten Blick karg, birgt jedoch eine bemerkenswerte Geschichte des Wiederaufbaus. Nachdem Wilderer in den 1980er Jahren die Elefantenpopulation drastisch reduziert hatten, leben heute wieder mehrere Hundert Tiere im Park. Mkomazi ist zudem Standort eines Schutzprogramms für Spitzmaulnashörner sowie eines Auswilderungsprojekts für Afrikanische Wildhunde. Die Tiere reagieren vorsichtig auf Fahrzeuge, Begegnungen bleiben flüchtig und eindrucksvoll zugleich.

Stundenlange Fahrten entlang der Pare-Berge und ausgedehnter Sisalplantagen leiten den Übergang in eine völlig andere Welt ein. Die Usambara-Berge erheben sich markant aus der weiten Steppe und zählen mit ihren verbliebenen Regenwaldfragmenten zu den artenreichsten Regionen Ostafrikas. Während der Kolonialzeit galt Lusotho als Luftkurort, bis heute bewahrt das Lawns Hotel mit Bar, Kaminzimmer und Terrasse eine Atmosphäre vergangener Jahrzehnte. Wanderungen führen durch Dörfer und Felder zum Irente View Point, von dem sich ein weiter Blick über die Massai-Steppe eröffnet.

Im Magamba-Regenwald begegnet man einer botanischen Besonderheit: den Usambara-Veilchen. In Europa weit verbreitet, sind sie in ihrer ursprünglichen Heimat nur noch an wenigen, schwer zugänglichen Stellen zu finden. Unter dem dichten Blätterdach der Urwaldriesen wachsen die zarten blauen Blüten nahe dunkler Bachläufe – ein stilles Symbol für die Fragilität dieses Ökosystems.

Die Umrundung des Kilimandscharo führt weiter nach Marangu, vorbei an Dörfern, von denen aus Bergsteiger zu den bekannten Routen aufbrechen. Die Gipfel Kibo, Mawenzi und Shira bleiben oft hinter Wolken verborgen, dafür prägen ausgedehnte Bananenplantagen das Landschaftsbild. Entlang der Grenze zu Kenia liegt das private Enduimet-Wildschutzgebiet, eine wenig bekannte Verlängerung des Amboseli-Nationalparks. Zu Fuß, begleitet von Massai-Rangern, erschließt sich eine Dornbuschsavanne, in der Elefanten, Giraffen und Zebras grenzüberschreitend wandern.

Übernachtet wird auf der Simba Farm Lodge, einer abgelegenen Gästefarm mit Blickrichtung Kilimandscharo, bevor die Route entlang der westlichen Berghänge zurück zur African View Lodge führt. Dort klingt die Reise bei Gesprächen über Geschichte und Gegenwart des Berges aus – über Natur, Verantwortung und die Frage, wie man einem Wahrzeichen wie dem Kilimandscharo mit Respekt begegnet.

tanzaniatourism.go.tz
kneissltouristik.at

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